Diskussion: Schlüsselkompetenzen für die Soziale Arbeit

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Schlüsselkompetenzen verabschiedet

Die Bundesmitgliederversammlung des DBSH hat am 31.3. 2007 die Schlüsselkompetenzen für die Soziale Arbeit - Arbeitsfeld Sozialarbeit/ Sozialpädagogik mit großer Mehrheit verabschiedet.
Soziale Arbeit ist in der politischen und gesellschaftlichen Auffassung mehr als Sozialarbeit/Sozialpädagogik. In der Tat geht es bei diesen Schlüsselkompetenzen nur um die Ausbildung und die Kompetenzen von SozialarbeiterInnen/ SozialpädagogInnen. Die HeilpädagogInnen und ErzieherInnen sind damit gezwungen eigene Schlüsselkompetenzen zu beschreiben.

Der DBSH hat sich in den letzten Jahren mit einer zunehmenden und schleichenden Deprofessionalisierung der Sozialarbeit befasst. Die zunehmend marktwirtschaftlich organisierte Sozialarbeit hat die Soziale Arbeit zur personale Dienstleistung abgewertet. Die Beschäftigung von Nicht-SozialarbeiterInnen in traditionellen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit und die pragmatische Anpassung an die Ökonomie der öffentlichen und freien Anbietern sozialer Dienstleistungen führen zu einem Absenken der fachlichen Standards von Sozialarbeit.

Die Ausbildungslandschaft ist im Umbruch. Dabei wird die Aufteilung in Bachelor- und Master- studiengänge zumindest auf der Ebene der grundständigen Bachelorstudiengänge zu einer tariflichen Absenkung für alle Beschäftigten in der Sozialen Arbeit führen.
Darüber hinaus deutet sich mit den neuen grundständigen BA-Studiengängen wie „frühkindliche Erziehung“ und „Sozialmanagement“ eine Entwicklung an, die die bisherigen umfassenden und ganzheitlichen Kompetenzen in der Sozialen Arbeit in Frage stellt.

In dieser Situation stellte sich für den DBSH die Frage, warum sich Beschäftigte in der Sozialen Arbeit, VertreterInnen von Einstellungsträgern oder von Wissenschaft und Lehre nicht stärker auf ihr Können und ihre berufliche Identität beziehen, wenn es darum geht der Bevölkerung die Folgen eines Qualitätsabbaus sozialer Dienste zu verdeutlichen.

Eine der Ursachen für diese Entwicklung ist aber auch, dass es die berufliche Sozialarbeit versäumt hat, eindeutig zu definieren, was professionelle Sozialarbeit ist und keine klaren und gemeinsam getragene Qualitätsstandards für die Arbeit bestimmt hat. Vielmehr wurde dies den Ausbildungsstätten überlassen, in denen SozialarbeiterInnen nach wie vor eine Minderheit sind.

Der Berufsverband hat sich mit seinen Qualitätsstandards für Sozialarbeit und der dazugehörigen Selbstbewertung Sozialer Arbeit schon vor einigen Jahren in die Diskussion über die Qualität Sozialer Dienste eingeschaltet.

Ausgehend von diesen Überlegungen hat der DBSH das Projekt „Schlüsselkompetenzen für die berufliche Soziale Arbeit“ gestartet. Als Ergebnis ist ein Leitfaden entstanden, der genau beschreibt über welche Kompetenzen qualifizierte SozialarbeiterInnen verfügen sollten. Diese ermöglichen es der Fachkraft nach dem Abschluss des Studiums beruflich zu handeln und im Zusammenwirken mit beruflicher Praxis, Lebenserfahrung und einer ständigen Fort- und Weiterbildung Wissen und Handlungskompetenz zum Vorteil von Klientel und Gesellschaft zu vertiefen.

Dabei verstehen wir unter beruflicher Sozialer Arbeit nicht das Beherrschen nur einzelner der beschriebenen Kompetenzen, sondern die Fähigkeit diese im Hilfeprozess für den Klienten zu verknüpfen.

Unsere Vision ist, das mit diesen Kompetenzen ein Rahmen für Ausbildung, Beschäftigte und Träger verbindlich beschrieben wird, der die Qualität und Identität Sozialer Arbeit festigt. Nur auf diesem Weg kann es gelingen dem Wettbewerb um den billigsten Preis einen Wettbewerb der besten Ideen, Qualität und Wirkung für die Gesellschaft entgegenzustellen.

In Großbritannien wurde dieser Prozess erfolgreich abgeschlossen: dort gibt es als Ergebnis einer intensiven Diskussion verbindliche, gesetzlich abgesicherte Standards für Ausbildung, Organisation und Praxis der Sozialen Arbeit. Eine solche Diskussion wünschen wir uns auch für Deutschland.

Der DBSH leistet mit den Schlüsselkompetenzen, die aus Sicht beruflicher Praxis formuliert wurden, einen weiteren Beitrag zur Sicherung der Profession Soziale Arbeit.
Sie können auch dazu beitragen eine Bewertung von Ausbildungsinhalten und Praxis „vor Ort“ zu ermöglichen.
Zugleich festigt der DBSH sein Profil als die Berufsvertretung der Fachkräfte der Profession Soziale Arbeit und setzt Maßstäbe in der Sozialen Arbeit.

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Schlüsselkompetenzen für die Soziale Arbeit –
Ein Produkt zur Zukunftssicherung des Berufsstandes.

Friedrich Maus

Der DBSH hat sich in den letzten Jahren mit einer zunehmenden und schleichenden Deprofessionalisierung der Sozialarbeit befasst. Die zunehmende marktwirtschaftlich organisierte Sozialarbeit hat die Soziale Arbeit zur personale Dienstleistung abgewertet. Die zunehmende Beschäftigung von Nicht-SozialarbeiterInnen in traditionellen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit, die pragmatische Anpassung an die Ökonomie der öffentlichen und freien Anbietern sozialer Dienstleistungen führen zu einer schleichenden Absenkung der fachlichen Standards von Sozialarbeit.

Die Veränderungen in und die Etablierung neuer Ausbildungsabschlüssen können zudem zu einem Infragestellen des „Kerns“ der Sozialen Arbeit in Ihren Lebenswelt-System Bezügen führen.

Eine der Ursachen für diese Entwicklung ist aber auch, dass es die berufliche Sozialarbeit versäumt hat, eindeutig zu definieren, was professionelle Sozialarbeit ist und keine klaren und gemeinsam getragene Qualitätsstandards für die Arbeit bestimmt hat. Vielmehr wurde dies den Ausbildungsstätten überlassen, in denen SozialarbeiterInnen nach wie vor eine Minderheit sind.

Der Berufsverband hat sich mit seinen Qualitätsstandards für Sozialarbeit und der dazugehörigen Selbstbewertung Sozialer Arbeit schon vor einigen Jahren in die Diskussion über die Qualität Sozialer Dienste eingeschaltet. Nun stellt der DBSH die „Schlüsselkompetenzen für Soziale Arbeit“ ergänzend zur Diskussion. Forderungen zu Themen wie Strukturqualität, Finanzierung und tätigkeitsfeldbezogener Kompetenzen werden nunmehr ergänzt mit Kriterien zum notwendigen Kompetenzprofil der Fachkräfte selbst.

Der DBSH leistet mit den Schlüsselkompetenzen, die aus Sicht beruflicher Praxis formuliert wurden, einen weiteren Beitrag zur Sicherung der Profession Soziale Arbeit. Ob diese gelingt, hängt nicht zuletzt vom Engagement den Kolleginnen und Kollegen in der beruflichen Praxis ab. Wird die Praxis diese annehmen und dann auch in der Auseinandersetzung mit Trägern und Kostenträgern auch vertreten?

Mit den Schlüsselkompetenzen haben wir definiert, was berufliche Sozialarbeit kann, was die Kompetenzen der Fachkräfte der Profession Soziale Arbeit ist. „Damit definieren wir grundlegende Kompetenzen, die, wenn einmal erworben, es der Fachkraft ermöglichen, beruflich zu handeln und im Zusammenwirken mit beruflicher Praxis, Lebenserfahrung und einer ständigen Fort- und Weiterbildung im Sinne eines andauernden Lernprozesses Wissen und Handlungskompetenz zu vertiefen. (...)  Die modulare Darstellung der Schlüsselkompetenzen dient lediglich einer Verdeutlichung, d. h. Soziale Arbeit erschöpft sich nicht im Beherrschen einzelner Kompetenzen, sondern stellt die Fähigkeit dar, diese Kompetenzen im Hilfeprozess für den Klienten miteinander zur sozialprofessionellen Hilfe zu verknüpfen. Einzelne Kompetenzen können durchaus auch in anderen Studiengängen oder in Form von beruflicher Weiterbildung erlernt werden. Soziale Arbeit ist dies dann aber noch nicht. Erst die Gesamtheit der Kompetenzen, das Miteinander-Verwobensein der einzeln beschriebenen Komponenten im Sinne eines generalistischen Anspruchs macht die Breite der professionellen Sozialen Arbeit aus.“

Diese Schlüsselkompetenzen sind jedoch nicht nur ein Instrument zur Verdeutlichen beruflichen Könnens und Wissens gegenüber der Öffentlichkeit. Den PraktikerInnen dienen sie zugleich als Möglichkeit zur Selbstevaluation und Vergewisserung.

Vor allem aber sollen sie dem DBSH auch als Grundlage dienen, um ein Instrumentarium zur Prüfung der Qualität der Ausbildung zu entwickeln. Es ist höchste Zeit, dass die berufliche Praxis stärker Einfluss auf die Ausbildung nimmt und dies nicht alleine den Ausbildungsstätten, oder den Kosten- und Einstellungsträgern überlässt.
Selbstverständlich achten wir die Freiheit der Lehre. Allerdings werden wir den zukünftigen StudentInnen, den Trägern und der Politik deutlich machen, wo SozialarbeiterInnen besonders gut und besonders schlecht ausgebildet werden. Ich denke, dass die jährliche Vergabe eines Preises für die beste Ausbildungsstätte durch den DBSH eine gute Sache wäre. Zugleich könnten auch die besonders fragwürdigen Studienangebote eine „sauren Gurke“ erhalten.

Die Schlüsselkompetenzen werden uns auch bei der Formulierung eines Berufsgesetzes oder der Fachkräftedefinition in entsprechenden Gesetzen und Tarifverträgen helfen.

Ich bin überzeugt, dass die Schlüsselkompetenzen ihre Wirkung entfalten werden. Bereits jetzt finden sie Beachtung in den Diskussionen zur Etablierung der neuen BA- und MA-Studiengänge.
Der Erfolg unserer Bemühungen wird entscheidend davon abhängen, wie viel Energie der DBSH in dieses Projekt hineingeben wird und ob sich der Verband eindeutig als Berufsverband für Fachkräfte der Profession Soziale Arbeit verortet.

Ich glaube, dass es uns gelingen wird, die berufliche Praxis zum Mitmachen zu gewinnen, weil gerade die KollegInnen in der Arbeit vor Ort spüren, wie ihnen zunehmend professionelle Arbeit erschwert wird. Es kommt darauf an, die Praxis zu überzeugen, dass es für den Berufstand überlebenswichtig ist, den Kern beruflicher Sozialer Arbeit zu definieren und zu sichern. Unverzichtbar ist dabei, dass Studium der Sozialarbeit nicht lediglich als ein Zugang zu einem sozialen Beruf zu begreifen, vielmehr muss es zum beruflichen Handeln befähigen. Dazu bedarf es einer grundständigen generalistisch angelegten Ausbildung, die neben Theoriekenntnissen auch methodische Kompetenzen vermittelt.

Hilfreich wäre, wenn die Anstellungsträger diese Schlüsselkompetenzen mittragen würden. Allerdings habe ich da so meine Zweifel. Die Trägerlandschaft hat sich bisher kaum um die Ausbildung gekümmert. Außerdem scheinen den Trägern sozialer Dienste und Einrichtungen professionelle Standards heute eher hinderlich, wenn sie ihren Platz im sozialen „Wettbewerb“ behalten wollen. In der Konkurrenz der Dienste gewinnt eher der, der billig anbietet. Das Versprechen möglichst bester Qualität bleibt allzu oft folgenlos Verkündung auf den Hochglanzbroschüren.
Aber auch die Träger werden spüren, dass sie Verantwortung tragen für Klienten und deren Anforderung an Qualität. Letztendlich werden sich langfristig auch im Wettbewerb Qualität und Wirkung durchsetzen.

Vielleicht werden viele aus der Zunft nun meinen, dass es für eine solche Beschreibung zu spät sei. Manche werden uns vorwerfen, wir seien nicht auf dem Laufenden und würden die Zeichen der Zeit nicht erkennen. Denen muss gesagt werden, dass es jetzt an der Zeit ist sich dem Mainstream eines technokratischen pragmatischen und ökonomischen Verständnis von Sozialer Arbeit zu widersetzen. Lange genug sind die Fachkräfte oft allzu schnell Zeitströmungen nachgelaufen und mussten später feststellen, dass es ihnen wenig geholfen eine berufliche Identität zu finden. Zu lange hat es unsere Profession versäumt, den Kern von Sozialarbeit eindeutig zu definieren. Es war ja auch leichter Sozialarbeit aus dem jeweiligen beruflichen Handeln zu definieren. Dass dies ein Fehler war, macht sich jetzt schmerzlich bemerkbar. Wer alles mitmacht und wer alles mit sich machen lässt, braucht sich nicht zu wundern, wenn Andere den Ton angeben.

Ich denke, dass es vor allem darauf ankommen wird, ob die Kolleginnen und Kollegen bereit sind ein längeres Papier zu lesen und sich damit auseinanderzusetzen – vielleicht auch außerhalb der Dienstzeit, ob Sie bereit sind berufspolitisch zu agieren und sich an der Diskussion konstruktiv zu beteiligen. Es wird auch darauf ankommen, dass Kolleginnen und Kollegen eine berufliche Identität als SozialarbeiterInnen wollen und damit akzeptieren, dass es für alle geltende Standards als Kriterien oder Indikatoren für die Bewertung von professionellem Handeln gibt.

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EUR 9,80 (EUR 7,50 Mitglieder) + Porto und Verpackung ISBN 978-3-89974437-8